Soziale Netzwerke: Best Practice im Unternehmenseinsatz

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Manuel Nappo von der HWZ Fachstelle für Social Media Management über den Einsatz von Social Media bei Firmen.

Manuel Nappo mit Zitat von Andy Warhol

The New Media World

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Unter „Owned Media“ versteht man Websites, Events, Consumer generated content.

Paid Media“ sind Banner, Anzeigen, Werbung, bezahlte Platzierungen.

Social Media“ umfasst Social Networks wie Facebook, Twitter, Youtube, Google+ oder Blogs.

Earned Media“ steht für Branded Content, Media Relations, Nischenplattformen

Dabei werden Inhalte immer schneller und in grösserem Umfang erstellt und publiziert. Daraus ist auch schon das nächste Buzz-Word „Big Data“ abzusehen. Was im Web in 60 Sekunden geschieht, veranschaulicht folgende Grafik:

Was-im-Web-in-60-Sekunden-passiert

Beeindruckende 70% der Internetbevölkerung (über 1 Milliarde Menschen) nutzt Social Networks. Facebook hat dabei fast 100% Bekanntheit. Dies ist bei Ãœberlegungen bezüglich der aktuellen Medienlandschaft mit einzubeziehen.

Aber warum nutzen Menschen überhaupt Social Media?

  1. Identitätsmanagement: Wer bin ich und wie lasse ich das meine Mitmenschen wissen?
  2. Beziehungsmanagement: Mit wem verbindet mich etwas und wie pflege ich diese Verbindung?
  3. Informationsmanagement: Was weiss ich und wie organisiere ich mein Wissen?

Was machen Menschen im Social Networks?

Menschen lesen, sehen, kommentieren, entdecken, beantworten, erstellen, teilen, wiederholen, favorisieren, chatten, empfehlen, laden Daten hoch, etc.

Dies entspricht aber eigentlich ganz „konventionellen“ menschlichen Bedürfnissen wie rumhängen, lehren & lernen, sich unterhalten (lassen), flirten & daten, Spass haben, sich identifizieren, forschen & entdecken, etc.

Welche Rolle haben Sie in der Social Media Welt?

Besucher: Nur zwischendurch zu Besuch, fühlt sich noch nicht sicher
Einwanderer: Benutzt Social Media, versteht aber noch nicht alles, muss sich noch zurechtfinden
Bewohner vom Land: Social Media gehört zum Alltag, wird vorsichtig und bewusst genutzt
Bewohner der Stadt: Social Media gehört zum Alltag, neuste Trends und Technologien werden ausprobiert
Einheimischer: Ist mit Social Media aufgewachsen, kann sich nicht vorstellen, wie es ohne wäre

Menschen und Marken

Ãœber 50% der Social Network Nutzer sind mit Marken verbunden. Mit Marken, die Diskussionen oder Geschichten auslösen, z.B. Apple, Restaurants.

Wir „liken“ ein Produkt nicht wegen dessen Werbung, sondern wegen positiven Konversationstreibern. Menschen lieben positive Mitteilungen. Es gibt bei Facebook keinen Dislike-Button…

38% der Internet Nutzer haben ein Smartphone und nutzen damit das Internet intensiv. Im Schnitt sind 25 Apps installiert, 12 davon werden wirklich genutzt. Am meisten die Social Network Apps. 12% nutzen Geo-Location für entsprechende ortsgebundene Dienste.

Bei Social Media geht es immer um Menschen und den Bezug zu ihnen, um gemeinsame Interessen, etc. Im Prinzip werden Beziehungen digital abgebildet: Wer ging mit wem zur Schule, wer arbeitet mit wem zusammen, wer hat welchen Status?

Definition: Social media is people talking with people about things they care

Social Media ist also sehr zwischenmenschlich“ und sollte deshalb nicht technisch angegangen werden. Das heisst auch, dass Social Media nur schlecht skaliert und nicht per automatisierte Systeme gespiesen werden sollte.

Granovetter: Starke und schwache Beziehungen

Granovetter - Starke und schwache Verbindungen - Manuel Nappo

Starke Beziehungen haben wir mit Familienangehörigen. „Schwache“ Beziehungen bestehen zu entfernten Freunden, Bekanntschaften oder Freunden von Freunden.

Die 90-9-1 Regel

Manuel Nappo und die 90-9-1 Regel

1% der User sind Autoren, die Inhalte produzieren. 9% interagieren mit Online-Inhalten über einfache Tools wie Kommentare, Like-Buttons oder andere Share-Funktionen. Und 90% konsumieren die Inhalte „bloss“.

Hat man also eine gewisse Anzahl Reaktionen und Kommentare auf eigene Internet-Aktivitäten, so kann man davon ausgehen, dass die Inhalte von noch viel mehr Lesern tatsächlich gelesen wurden.

Das Web wird um Menschen gebaut

Das Web entwickelte sich von einem Browse-Medium (Web-Portale um 1990) über ein Such-Medium (Google um die Jahrtausendwende) zu einem Entdeck-Medium (Facebook um 2010).

Manuel Nappo - Entwicklung des Webs über 3 Jahrzehnte

Die Zukunft geht in Richtung SoLoMo: Social-Local-Mobile
Bereits heute sind die Mobile-Zugriffsraten sehr stark steigend.

Ãœbermorgen steuern wir unsere Interaktionen vielleicht über die Stimme, wie z.B. Siri von Apple, noch später nur noch über Gedanken?

Social Media im Unternehmen

In welchem Fachbereich ist Social Media im Unternehmen am besten angesiedelt? Es kommt auf den Fokus an…

Conversation-Prism und Fokus der Social Network Aktivitäten

Die Dating-Plattform swissfriends.ch ist beispielsweise wenig aktiv in Social Networks. Wie könnten sie über Social Media einen Mehrwert für die Benutzer schaffen?

Könnten Reservationen z.B. von Flügen auch per swissfriends.ch getätigt werden? Man wüsste dann „von weitem“, wer offen für ein anregendes Gespräch ist. KLM wirbt damit, dass man sein Facebook- oder LinkedIn-Profil bei der Sitzreservation hinterlegen kann.

Die Plattform Badoo.com, eine der am schnellsten wachsenden Networks geht in diese Richtung. Auf diese Art könnten auch Interesse-Websites mit einem swissfriends-Hinweis versehen werden.

badoo.com Homepage-Screenshot

Single-Anteil in Firmen: Wieviel % sind Mitglied von swissfriends? Wer hat mein Profil angeschaut? Empfehlungsmarketing: Wen kann man weiterempfehlen?

Yoke ist eine Facebook Verkupplungs-App.

rentsocial ist eine Homepage, um Bewertungen von Gebäuden abzugeben. Dies wäre interessant für Wohnungsanbieter wie Homegate.ch.

Bei NeighborGoods kann man einsehen, wer wohl in der Nachbarschaft eine Bohrmaschine ausleihen könnte.

Social Media sollte den konventionellen Kommunikationsmix ergänzen. Wie können die beiden Welten verbunden werden?

Die SchweizerFamilie hat einen Wandertag organisiert und per Heft kommuniziert. Auf der Wanderung selber wurden Fotos geschossen und dann per Web zum Download angeboten.

Bei der Berner Zeitung war ein Voting für einen Beauty-Contest sehr erfolgreich, da die privaten Netzwerke der Nutzer aktiviert werden konnten. Die Gewinner wurden dann öffentlich in einem Shopping-Center gekürt.

Medienhäuser haben den Vorteil, dass sie in ihren Print-Medien bereits eine hohe Reichweite haben. Diese kann sehr effizient für Social Media aktiviert werden. Umgekehrt haben reine Online-Player grosse Schwierigkeiten, schnell genug eine genügend grosse Reichweite zu erreichen.

HWZ Social Media Management Modell

HWZ-Social-Media-Management-Modell gemäss Studienleiter Manuel Nappo

Grundsätze betreffend Social Media:

  • Nicht alles was gut ist, ist auch teuer
  • Der Aufbau einer Fangemeinde wird immer schwieriger und daher teurer
  • Die Netzwerke der Mitarbeitenden sind wertvoll. Aktivieren statt kontrollieren!
  • Netzwerke sind für Bauern, nicht für Jäger
  • JFK hatte Recht: „Ask not what your network can do for you, ask what you can do for your network!“

Website der Fachstelle Social Media Management der Hochschule für Wirtschaft Zürich.

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Wer schreibt hier?

Walter Schärer bloggt über neuste Internet-Trends im Online Marketing, Social Media, Blogs, Web Analytics, SEO, Mobile und so.

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