Management von ändernden Anforderungen in IT-Grossprojekten per Scrum

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Vortrag von Andreas Führer, SBB, am Swiss Requirements Day.

Andreas Führer von der SBB-Informatik

Die Zuwachsraten im öffentlichen Verkehr sind enorm und das im bereits weltweit dichtesten Bahnnetz…
Trotzdem ist die Pünktlichkeit bei 88% (d.h. innert 3 Minuten!).
SBB betreibt das dichteste Schienennetz weltweit
Andere Länder weisen zwar eine höhere Pünktlichkeit auf, messen diese aber innert 10 Minuten.

Das prognostizierte Nachfragewachstum im Grossraum Zürich beträgt 70%.
Karte der Schweiz mit Infrastrukturbedarf im Grossraum Zürich

Das Fahrplanplanungssystem NeTS ist eines von drei SBB-Grossprojekten.

Entwickelt wird die Software von der Firma Netcetera.

Die Anforderungen sind bei hochoptimierten Geschäftsabläufen und v.a. bei deren Innovation sehr dynamisch. Kaum benutzt das Geschäft eine neue Applikation, weiss sie was man an Prozessen und an der Applikation anders machen müsste.

Zudem ist die Geschäftsmodellierung oft lückenhaft und heterogen, unterschiedliche Anspruchsgruppen haben sehr unterschiedliche Sichten: Bei SBB gibt es z.B. 400 Fahrplanplaner.

Bei so komplexen Vorhaben ist Rapid Prototyping sehr wichtig: Alle Involvierten lernen am Projekt. Bei SBB wurde alle 6 Wochen ein Release geliefert.
Auflistung der wöchentlichen Tätigkeiten in 6-wöchigem Sprint (Scrum-Methodik)

Die Zielsetzung muss trotzdem fix sein (kein Moving-Target). 2006 war bei den SBB das Ziel, den Fahrplan 2010 mit der neuen Software zu planen mit einem Quantensprung an Genauigkeit (gleisgenau mit sekundengenauer Fahrdynamik).

Zu Beginn hat man sich auf 20 bis 30 High-Level Features geeinigt (Geschäftsobjektmodell oder Domain Object Model DOM).

Mit Anwendern werden Wireframes erstellt (GUI-Prototypen). Generell soll in einem Grossprojekt (30 Mio. über 6 Jahre) viel gezeichnet werden. Das hilft, Missverständnisse zu reduzieren.
GUI-Templates für die Zusammenarbeit mit Business-Anwendern

Ursprünglich wurde Requisit Pro eingesetzt, schnell wechselte man zurück auf Word, Excel, Powerpoint und Web.
Graphische Auflistung von Dokumenten und Status im Web-Browser

Ein schwieriges Problem ist die Aufwandschätzung: Bei IT-Grossprojekten bietet sich die ressourcenbasierte Kostenschätzung an für die High-Level-Features (+/- 30% Genauigkeit).
Der Aufwand wird pro Umsetzungsetappe geschätzt (1 Jahr).
Der ‚Planning Poker‘ wurde intensiv genutzt für den Level „Features“ (300 pro Jahr). Nach einem halben Jahr hat man eine gute Erfahrung, wie aufwändig einzelne Features sind.

Evolutionäres Vorgehen heisst nicht „mehr, mehr, mehr“, sondern Fokus auf die nächste Iteration, nicht auf das Gesamtprojekt. ‚One in – one out‘: Wird ein neues Feature höher priorisiert, muss ein anderes zurückgestellt werden.

Testen von evolutionären Anforderungen funktioniert nicht nach dem V-Modell. In der 6-wöchigen Releasephase bieten Regressionstests ein Frühwarnsystem. Ausgiebige Anwendertests sind sehr wichtig: Business-Anwender schreiben das Testdrehbuch selber gemäss organisch gewachsenen Anforderungen.
Jede Iteration geht in die Produktion. Das ist wichtig für die Motivation der Mitarbeiter: Die Deadlines und das Testing sind wirklich wichtig!

Refactoring soll ermöglicht und geplant werden: In agilen Prozessen sollte man viel wieder aufräumen.

Systementwicklung ist ein People Business: Es lohnt sich, eine Project-Factory einzurichten, wo Entwickler und Business-Vertreter zusammenarbeiten. Entsprechend können die Kommunikationswege kurz gehalten werden.

Der Vertrag mit dem Dienstleister wird erfolgsbasiert mit Hinsicht auf das Business-Ziel ausgestaltet.

Gemeinsame Werte sind wichtig: Es geht z.B. nicht darum, Anforderungen zu formulieren, sondern Software zum laufen zu bringen.
Gemeinsame Werte wie Einfachheit, ändernde Anforderungen sind willkommen, Face-to-Face Kommunikation, Beherrschung der Technik

Komplette Präsentation hier herunterladen.

Danke fürs teilen meines Beitrags ;-)

Wer schreibt hier?

Walter Schärer bloggt über neuste Internet-Trends im Online Marketing, Social Media, Blogs, Web Analytics, SEO, Mobile und so.

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